Montag, 22. Mai 2017

Dienstag, 9. Mai 2017

Besinnung auf die Freiheit

"Es ist ungewiß, ob der Tod uns erwartet; erwarten wir ihn überall! Die Besinnung auf den Tod ist Besinnung auf die Freiheit. Wer sterben gelernt hat, der hat das Dienen verlernt. Sterben zu wissen befreit uns von aller Unterwürfigkeit und allem Zwang. Das Leben hat keine Übel mehr für den, der recht begriffen hat, daß der Verlust des Lebens kein Übel ist." 

Montaigne

Donnerstag, 4. Mai 2017

Was geschieht, ist gut

Nicht immer feindlich nach allem fassen; einmal sich alles geschehen lassen und wissen: Was geschieht, ist gut. Auch der Mut muß einmal sich strecken und sich am Saume seidener Decken in sich selber überschlagen.

R. M. Rilke, Cornet



Freitag, 28. April 2017

Vorbilder

In Rußland war der Staat, in den Vereinigten Staaten die schrankenlose Freiheit heilig. Sie sind es immer noch. Rußland trotzte sein Reich in zäher Eroberung den Mongolen und den Turkvölkern ab, bis es schließlich China umklammerte; die Vereinigten Staaten eroberten einen Kontinent durch das Faustrecht ihrer Trapper und ihrer Wirtschaftspioniere. Die Ideale einer Nation rächten sich, Iwan der Schreckliche und Rockefeller sind nicht ungestraft Vorbilder, ebensowenig wie Bonnie and Clyde. So nimmt man denn in Rußland die Regierung demütig hin, und in den Vereinigten Staaten glaubt man immer noch an den Selfmademan, ohne sich darum zu kümmern, ob er sein unermeßliches Vermögen legal oder illegal verdiente. Um diese Frage kümmern sich nur Hollywood-Filme, mit der Anmerkung freilich, die Personen seien frei erfunden.

F. Dürrenmatt

Sonntag, 23. April 2017

Wirklichkeit

"Der Wirklichkeit ist mit Logik nur zum Teil beizukommen......Ein Geschehen kann schon allein deshalb nicht wie eine Rechnung aufgehen, weil wir nie alle notwendigen Faktoren kennen, sondern nur einige wenige, meistens recht nebensächliche. Auch spielt das Zufällige, Unberechenbare, Inkommensurable eine zu große Rolle. Unsere Gesetze fußen nur auf Wahrscheinlichkeit, auf Statistik, nicht auf Kausalität."

F. Dürrenmatt, Das Versprechen.

Donnerstag, 13. April 2017

Selbst-Transzendenz menschlicher Existenz

Wir begegnen da einem Phänomen am Menschen, das ich für fundamental anthropologisch halte: die Selbst-Transzendenz menschlicher Existenz! Was ich damit umschreiben will, ist die Tatsache, daß Menschsein allemal über sich selbst hinausweist auf etwas, das nicht wieder es selbst ist auf etwas oder auf iemanden: auf einen Sinn, den zu erfüllen es gilt, oder auf anderes menschliches Sein, dem wir da liebend begegnen. Im Dienst an einer Sache oder in der Liebe zu einer Person erfüllt der Mensch sich selbst. ]e mehr er aufgeht in seiner Aufgabe, je mehr er hingegeben ist an seinen Partner, um so mehr ist er Mensch, um so mehr wird er er selbst. Sich selbst verwirklichen kann er also eigentlich nur in dem Maße, in dem er sich selbst vergißt, in dem er sich selbst übersieht. Ist es nicht wie beim Auge, dessen Sehtüchtigkeit davon abhängt, daß es nicht sich selbst sieht? Wann sieht denn das Auge etwas von sich selbst? Doch nur, wenn es erkrankt ist: Wenn ich an einem grauen Star leide, dann sehe ich eine Wolke und damit nehme ich meine Linsentrübung wahr. Und wenn ich an einem grünen Star leide, dann sehe ich einen Hof von Regenbogenfarben rings um die Lichtquellen - das ist mein grüner Star. 1m gleichen Maße ist aber auch die Fähigkeit meines Auges, die Umwelt wahrzunehmen, geschmälert und beeinträchtigt. 
V. E. Frankl

Dienstag, 11. April 2017

Konformismus

Im Gegensatz zum Tier sagen dem Menschen keine Instinkte, was er muß, und im Gegensatz zum Menschen von gestern sagen dem Menschen von heute keine Traditionen mehr, was er soll. Nun, weder wissend, was er muß, noch wissend, was er soll, scheint er oftmals nicht mehr recht zu wissen, was er im Grunde will. So will er denn nur das, was die anderen tun - Konformismus!
V. E. Frankl

Sonntag, 9. April 2017

Fehleinschätzung und Fehlentscheidungen

Der Herr ist mir alles andere als sympathisch und vor seinem Getränk graust mir, aber er drückt leider genau das aus, was ich mir von Anfang an zu diesem Thema denke:
Dietrich Mateschitz ortet in einem Interview mit der "Kleinen Zeitung" ein "unverzeihliches Ausmaß an politischer Fehleinschätzung und Fehlentscheidungen bei der Nichtbewältigung der Flüchtlingswelle". "Ich glaube nicht, dass es ein klarer Ausdruck politischen Willens war, die Grenzen unkontrolliert offen zu lassen“, sagt Mateschitz. "Man hat aus Angst und politischer Opportunität so entschieden. Schon damals war erkennbar, dass der Großteil der Menschen nicht der Definition eines Flüchtlings entsprach. Jedenfalls nicht der Genfer Konvention."
Das damalige Handeln mit dem Wissen von heute zu verurteilen hält er für nicht polemisch. "Man muss von Anfang an richtig und vorausdenkend entscheiden. Würde man in einem Unternehmen Fehlentscheidungen dieser Tragweite treffen, wäre man in Kürze pleite."
"Man muss blind und taub gewesen sein, um nicht zu sehen, was da auf uns zukommt. Und selbstverständlich hätte man die Grenzen schließen und ordentlich kontrollieren müssen, gar keine Frage. Erinnern Sie sich, wie sehr man am Anfang die osteuropäischen Staaten für ihre Haltung kritisiert hat? Ein paar Monate später haben unsere Politiker alles genauso gemacht. Mit dem einzigen Unterschied, dass man im Duden nach einem andern Wort für Zaun gesucht hat", so Mateschitz.
Und Mateschitz weiter über die Willkommenspolitik: "Ich rede über Fakten, und ich rede über Scheinheiligkeiten. Ich rede darüber, dass keiner von denen, die „Willkommen“ oder „Wir schaffen das“ gerufen haben, sein Gästezimmer frei gemacht oder in seinem Garten ein Zelt stehen hat, in dem fünf Auswanderer wohnen können. Oder über die Grüne, die sich mit der Limousine mit dem zusammenklappbaren Fahrrad hinter das Parlament fahren lässt, dort aussteigt und die letzten Meter zum Hohen Haus radelt. Leiden müsste jeder unter den Zuständen. Tut ja auch jeder."
Zum Thema kulturelle Identität sagt Mateschitz: "Es gibt bei allem eine kritische Masse. Am Wochenende 20.000 Wanderer und Mountainbiker im Nationalpark Hohe Tauern, das geht. Da rücken die Gämsen halt zusammen. Wenn du aus den 20.000 aber 200.000 machst oder gar zwei Millionen, dann geht das Ganze kaputt. Wir müssen verstehen, dass nicht nur die Naturregionen endlich sind, sondern alle Ressourcen, Energie, Wasser, Lebensmittel, Luft, medizinische Versorgung, alles, auch die Erde selbst. Ich rede hier nicht über Flüchtlinge nach der Genfer Konvention. Ich rede darüber, was man schon seit Langem klar erkennen und erwarten muss: die ganz großen Auswanderungsströme und Völkerwanderungen auf dem gesamten Erdball. Es werden viele Hunderte Millionen von Menschen in einen für sie besseren Lebensraum wollen, wo es noch Trinkwasser gibt, eine intakte Natur und wo Menschenrechte gelten. Und das ist dann politisch nicht mehr regulierbar - außer man wirkt rechtzeitig den Ursachen entgegen."