Samstag, 9. Dezember 2017

Personenbeschreibung

"Charakter einer mir bekannten Person.
....von der Religion hat er als Knabe schon sehr frei gedacht, nie aber eine Ehre darin gesucht ein Freigeist zu sein, aber auch keine darin, alles ohne Ausnahme zu glauben. Er kann mit Inbrunst beten und hat nie den 9o. Psalm ohne ein erhabenes, unbeschreibliches Gefühl lesen können(*) ..... Er weiß nicht was er mehr haßt, junge Offiziers oder junge Prediger, mit keinen von beiden könnte er lange leben .... Lesen und Schreiben ist für ihn so nötig als Essen und Trinken, er hofft es wird ihm nie an Büchern fehlen. An den Tod denkt er sehr oft und nie mit Abscheu, er wünscht daß er an alles mit so vieler Gelassenheit denken könnte, und hofft sein Schöpfer wird dereinst sanft ein Leben von ihm abfordern, von dem er zwar kein allzu ökonomischer, aber doch kein ruchloser Besitzer war." 

G. Chr. Lichtenberg
http://www.lichtenberg-gesellschaft.de/leben/l_leb_goe_licht.html
(*) PSALM 90:Ein Bittgebet des Mose, des Mannes Gottes. O Herr, du warst uns Wohnung von Geschlecht zu Geschlecht.
Ehe geboren wurden die Berge, ehe du unter Wehen hervorbrachtest Erde und Erdkreis, bist du Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Zum Staub zurückkehren lässt du den Menschen, du sprichst: Ihr Menschenkinder, kehrt zurück!
Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der Tag, der gestern vergangen ist, wie eine Wache in der Nacht.
Du raffst sie dahin, sie werden wie Schlafende. Sie gleichen dem Gras, das am Morgen wächst:
Am Morgen blüht es auf und wächst empor, am Abend wird es welk und verdorrt.
Ja, unter deinem Zorn schwinden wir hin, durch deine Zornesglut werden wir starr vor Schrecken.
Unsere Sünden hast du vor dich hingestellt, unsere verborgene Schuld in das Licht deines Angesichts.
Ja, unter deinem Grimm gehen all unsere Tage dahin, wir beenden unsere Jahre wie einen Seufzer. Die Zeit unseres Lebens währt siebzig Jahre, wenn es hochkommt, achtzig. Das Beste daran ist nur Mühsal und Verhängnis, schnell geht es vorbei, wir fliegen dahin.
Wer erkennt die Macht deines Zorns und fürchtet deinen Grimm?
Unsere Tage zu zählen, lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz....

Dienstag, 5. Dezember 2017

Bekenner

Als UHBP van der Bellen den Papst besuchte, stand in der Zeitung: "Der bekennende Agnostiker....".
Da hat jemand was nicht ganz verstanden. Ein "echter" Agnostiker bekennt sich zu nichts. Aber vielleicht sieht er sich ja selber so....

Multidimensionale Realität

"Die Wissenschaft, so wird ihm erklärt, sei ein bloßer Querschnitt durch die multidimensionale Realität, und so sei es denn sehr wohl möglich, daß sich ein Sinnzusammenhang in ihrer Ebene nicht abbilde. In einer höheren Dimension könne er trotzdem bestehen. Wer mir sage, fragt er nun, daß eine höhere Dimension überhaupt existiere. Daraufhin erkläre ich, nur eine Überschätzung und Vergötzung der Wissenschaft verhindere ihn, andere Zugänge auszuschließen. Und zwar tue er dies, weil er sich vor der volldimensionalen Realität verschließe, während es uns abverlangt und aufgetragen sei, offen zu sein gegenüber der Fülle von Wirklichkeiten - und Möglichkeiten."
V. E. Frankl

Mittwoch, 22. November 2017

Katzenträume

»Indem ich«, sprach Kreisler, »diesen klugen Kater betrachte, fällt es mir wieder schwer aufs Herz, in welchen engen Kreis unsere Erkenntnis gebannt ist. - Wer kann es sagen, wer nur ahnen, wie weit das Geistesvermögen der Tiere geht! Wenn uns etwas oder vielmehr alles in der Natur unerforschlich bleibt, so sind wir gleich mit Namen bei der Hand und brüsten uns mit unserer albernen Schulweisheit, die eben nicht viel weiter reicht als unsere Nase. So haben wir denn auch das ganze geistige Vermögen der Tiere, das sich oft auf die wunderbarste Art äußert, mit der Bezeichnung Instinkt abgefertigt. Ich möchte aber nur die einzige Frage beantwortet haben, ob mit der Idee des Instinkts, des blinden willkürlosen Triebes, die Fähigkeit zu träumen vereinbar sei. Daß aber z. B. Hunde mit der größten Lebhaftigkeit träumen, weiß jeder, der einen schlafenden Jagdhund beobachtet hat, dem im Traum die ganze Jagd aufgegangen. Er sucht, er schnuppert, er bewegt die Füße, als sei er im vollen Rennen, er keucht, er schwitzt. - Von träumenden Katern weiß ich zur Zeit nichts.« 
»Der Kater Murr«, unterbrach Meister Abraham den Freund, »träumt nicht allein sehr lebendig, sondern er gerät auch, wie deutlich zu bemerken, häufig in jene sanfte Reverien, in das träumerische Hinbrüten, in das somnambule Delirieren, kurz, in jenen seltsamen Zustand zwischen Schlafen und Wachen, der poetischen Gemütern für die Zeit des eigentlichen Empfanges genialer Gedanken gilt. In diesem Zustande stöhnt und ächzt er seit kurzer Zeit ganz ungemein, so, daß ich glauben muß, daß er entweder in Liebe ist oder an einer Tragödie arbeitet.« 
E. T. A. Hoffmann, Kater Murr.

Also, unsere Katzen haben immer geträumt und auch im Schlaf "gesprochen". Was gäbe ich drum, wenn ich wüsste, worüber!
Katze im Café 
"Am Bahnhof bemerkte er, daß er noch eine Stunde Zeit hatte. Er rief sich ins Gedächtnis, daß es in einem Café auf der Calle Brazil eine riesige Katze gab, die sich streicheln ließ als sei sie eine verachtende Gottheit. Er betrat das Café. Da war die Katze und schlief. Er bestellte eine Tasse Kaffee, rührte um, schlürfte sie langsam und dachte, als er den schwarzen Mantel der Katze glättete, daß dieser Kontakt eine Illusion sei, daß diese beiden Existenzen, Mensch und Katze, wie durch eine Glasscheibe getrennt sind, denn der Mensch lebt in der Zeit, in der Abfolge, während das magische Tier in der Gegenwart lebt, in der Ewigkeit des Augenblicks." 
Aus: J.L.Borges, Ficciones 

Sonntag, 19. November 2017

Kopfkunst

"...und es wird  noch schlimmer werden. Der Kopf wird über das Herz siegen: die Wissenschaft die Kunst zugrunde richten."
Gioacchino Rossini

Sonntag, 5. November 2017

Zum Glück II

„Glücklich sein heißt ohne Schrecken seiner selbst innewerden können.“ 
W. Benjamin

"...denn Glück muß sich als Nebenwirkung einstellen."
V.E.Frankl
"In jeder Sekunde strömen unglaublich viele Informationen auf uns ein, die wir nicht alle verarbeiten können. Unser Gehirn hat also das Problem der Auswahl: Was von dem vielen soll weiter beachtet und verarbeitet werden, und was kann es getrost übergehen? Es braucht daher ein Modul, das bewertet und vergleicht. Solange alles nach Plan läuft, also nichts geschieht, was wir nicht schon wüssten, tut dieses Modul nichts. Geschieht jedoch etwas, das besser ist als erwartet, dann feuert das Modul. Dann werden wir wach, aufmerksam, wenden uns dem Erlebnis zu und verarbeiten die Informationen besser.....Man sieht sofort: Auf andauerndes Glücklichsein ist das Modul gar nicht ausgelegt. Vielmehr darauf, dass wir dauernd nach dem streben, was für uns gut ist! Beim Modul unseres Gehirns, das für Glückserlebnisse zuständig ist, geht es also nicht um dauerndes Glück, es geht vielmehr um dauerndes Streben. Das ist ein großer Unterschied!"
Manfred Spitzer.
"Shit happens: Mal bist du die Taube, mal bist du das Denkmal. Glück kommt und geht. Unglück auch. Aber IM Unglück denken wir automatisch: Das bleibt jetzt für immer so. Eine der schönsten Nachrichten aus der Traumaforschung ist, dass über 80 Prozent der Menschen, die brutale Schicksalsschläge erleben, gut damit klarkommen. Es braucht eine Zeit, aber auch ohne therapeutische Intervention sind sie zwei Jahre später nicht dauerhaft beeinträchtigt, oft sogar noch gestärkt. Unfälle, Krankheit, Trennung und Tod sind Teil des Lebens. Es gibt «das Böse» auf der Welt - warum, weiß Gott oder der Geier. Und ich hoffe inständig, es sind zwei verschiedene Instanzen."
E. V. Hirschhausen.